Kittelschürze bügeln

Am Telefon: Schriftstellerin Rita König aus Rathenow. In ihrem neuen Roman versucht die Heldin eine Seite lang, eine Dederon-Kittelschürze zu bügeln.

„Als Silke wieder hinaussah, stand an der Bahnschranke eine junge Frau, der die Dederonschürze unter dem Anorak hervorlugte. Dederonschürzen waren die Farbkleckse im Land der ausgeblichenen und grauen Farben. Man brauchte sie nicht zu bügeln, konnte sie von der Wäscheleine nehmen und überstreifen, was sonst nur bei Strümpfen der Fall war und ihrer FDJ-Bluse. Man durfte sie nicht bügeln wäre korrekter, denn Silke hatte das einmal versucht. Die Schleuder war kaputt gegangen; sie hatte sich mit Handtüchern beholfen und die Sachen einigermaßen vorgetrocknet. Zuerst hatte sie die Nickis gebügelt, die Hemden des Vaters und sämtliche Geschirrtücher. Den Stecker des alten, schweren Eisens hatte sie bereits gezogen. Silke fuhr nur leicht und sehr schnell über die Knitterfalten der Schürze. Was blieb, war ein großes Loch an der Stelle, wo sie das Eisen aufgesetzt hatte, und ein gelblicher Rauchfaden in der Luft. Die Schürze war hin, dabei war es ihr Lieblingsstück, rot mit weißen Blüten und mit zierlichen weißen Bändern zu schließen. Diese Dederonschürze hatte etwas Verführerisches, die Schleifen links und rechts in Taillenhöhe luden geradezu zum Öffnen ein, der Saum war abgerundet und bedeckte Schoß und Po wie ein Minikleid. Nun hatte dieses Minikleid ein Loch und taugte nicht einmal mehr als Putzlappen. Silke hatte die Schürze in den Müll geworfen und wochenlang in den Geschäften nach dem Modell gesucht, es aber nicht gefunden.“

Auszug aus: „Rot ist schön“ von Rita König, erschienen bei Der Kleine Buch Verlag, 2015

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